23.6.09

μετάστάση












Bild: A. Denis, "Schrei"

μετάστάση

Deine Nachricht
wuchert
unter der Haut
Widerhaken
treiben sich
qualvoll
in den Verstand

Ahnung dornt
in jeder Pore
und Schmerz
hämmert
hilflos

gegen die
Mittsommernacht

μετάστάση, griech. :Metastase.

15.6.09

Habula (2)


Habula


Frau bist du, ganz Frau.
Samtig fließend,
von der Quelle
bis zum Delta,
wohl geformt.




Wie du dich schmiegst
an mein Herz!
Zu Händen wird es
auf deiner Haut. Und
sie werden - Herz.




Für Wolfgang Gregor, den Kunstgießer aus Landin.
"Habula" kommt aus dem Germanischen und steht für den Fluss "Havel".

13.6.09

Habula (1)

Habula

Frau bist du, ganz Frau,
mit weichen Bögen.
Jung geblieben

vom Zeh bis
in die Haarspitzen.





Wie du dich legst
windest, streckst!
Mein Blick ufert in
deinen Buchten. Und
mit ihm - die Zeit.



Für Knuth Seim, den Bildhauer aus Garlitz.
"Habula" kommt aus dem Germanischen und steht für den Fluss "Havel".

11.6.09

Stiller Wunsch
















Stiller Wunsch


Ich wünsche so sehr
dass ich nichts hören werde
vom Lärm der Flugzeuge
Autos oder Bahnen.
Kein Rufen oder Kreischen.
Sogar kein lautes Spaßen.
Nach dem Verstummen
sehne ich mich.

Selbst der Wind soll
sich ins Schilf legen
für nur einen Moment.
Stille um mich herum.
Vielleicht könnte ich dann
die Schmetterlinge hören
und das,
was wirklich wichtig ist.


5.6.09

Kurze Begegnung


Kurze Begegnung

Schon dein Blick
Von Weitem
Winkt er sich
In meine Augen
Neugier wiegt
Die Gedanken
Fragen regnen
Antworten tropfen
Vertraute Nähe
Und
Worte gießen
Wärme in das
Lebewohl


18.5.09

Abenddank














Abenddank


Uff´n Wech hab ick mir jemacht.
Nee, nich nach Jottwede,
eijentlich nur um de Ecke,
ins Brandenburgische.

Zuerst war det ja wirklich
janz fremd da draußen,
weil ick noch nie vorher da war.
Jedenfalls nich jenau da.

Obwohl die so sprechen,
wie hier, mitten inne Stadt.
Nur riechen tuts da viel bessa.
Nach Jelb und Grün vor allem.

Üba Stock und Stein jing et.
Die Ojen hatten zu tun. Und
die Ohren erst. Die haben
sich jeweitet wie die Seele.

Den Wind im Roggen
können se sonst nicht hören,
oder die Lerche, wenn se
aufsteigt aus ihm mit diesem Triller.

Als wenn ick ausjezogen bin
in ein neues Land, arm, irjendwie,
und reich zurück jekommen.
Vor allem zu mir selbst.

Nu isset Abend jeworden, dort und hier.
Danken mag ick, weil det Land
noch imma in mir klingt und strahlt.
Und Liebe atmet.

8.5.09

Gewissheit














Gewissheit


In diesem Sommer? Ja, ich reise,
direkt hinein in die Stille
und auf althergebrachte Weise.

Nahe dem Zirpen der Grille
will ich die schmalen Pfade gehen
neben dem Bach und Kanälen
an denen Silberweiden stehen;
Schritte durch Dörfer nicht zählen
oder die Wälder, deren Schatten
Kühle mir spenden am Tage.
Mag sein, der Fuß wird mir ermatten,
dass ich den Weg hinterfrage,
der mich in nahe Weiten lenkte.

Zweifel jedoch werden weichen,
da er mit Ruhe mich beschenkte
und Freude als LEBENS-Zeichen.

Mein Pilgerweg im Juli:
http://www.wege-nach-wilsnack.de/

9.4.09

Osternacht
















Osternacht

Durch den Garten werden
wir gehen, den vertrauten,
wo Bäume in Himmel wachsen.
Verlieren werden wir uns
im Atem der sprießenden Erde.

Ausgehauchtes Karen,
die Seele grünt
und das Herz spannt
den Pflug an im Dunkel
für die Furche ins Licht.


7.4.09

Längst danach

















Längst danach


Hoch hinaus
segelten wir
und reisten
mit den Sternen.

Wusstest du, dass du
mich brennen ließest
in Purpur, orange,
gelb und blau?
Worte züngelten.
Schweigen lohte.

Wie also könnte
ich sie vergessen,
obwohl der Himmel
zur Scheibe wurde
mit der Zeit?
Unsere Liebe.

Als sie fiel
fing ich sie auf,
behutsam. Trage
sie in mir. Nun.


25.3.09

Märznacht
















Märznacht


Licht brandet
gegen den Morgen.
Endlich.

Die Stunden waren
schlaflos unter
wogenden Himmeln
und Flügelschlägen.
Zu laut die Rufe
der Zugvögel
und Erinnerungen.

Meer bin ich
in der Dunkelheit.
Noch immer
ohne Strand.


17.3.09

Wieder März












Wieder März


Dieser Morgen war von Klängen umfangen
über den Dächern. Erst fremd, dann vertraut.
Voller Leben, fast zu greifen, durchdrangen
Graugänserufe den Tag, stark und laut.
Frühlingswunder. Darum bin ich gegangen
Hoffnung zu lauschen, auf Töne gebaut.
Und Farben zudem. Ganz sicher auf Licht.
Es ist an der Zeit für Winters Verzicht.

Photo: Jürgen Kühn

12.3.09

amoak



















amoak


forschen wir jetzt nicht
nach den antworten
die uns nicht
gegeben werden können
weil wir sie
nicht leben könnten

leben wir
jetzt
die Fragen

vielleicht
leben wir dann
allmählich
ohne es zu merken
eines fernen tages
in die antwort hinein
(nach R.M.Rilke)

2009
WINNENDEN

KAUHAJOKI, DEKALB
JOKELA, BLACKSBURG
EMSDETTEN, ERFURT
LITTLETON, EPPSTEIN
BATH
1927


und was bleibt
sind schweigen
und die bitte
um trost

.

21.2.09

Nach dem Erwachen


Nach dem Erwachen

Nein, ich hadere nicht
mit den Träumen, die
unerfüllt versanken.
Sie machten mich
glücklich zu ihrer Zeit.

Warum ihnen zürnen,
oder mir, die ich sie webte?
Waren sie doch ein
Aufbruch in neue Träume.
Und in mich selbst.

17.2.09

Traurigkeit















Traurigkeit

(für Einen)


Da ist nichts
was du tun kannst,
außer warten
und hoffen.

Aushalten,
dass nur die Uhr
deine Tage teilt
in den Runden
der Zeiger.

Und ihr Schlag
den Atem trägt
zwischen stillem Schrei
und lautem Schweigen.


11.2.09

Zugeneigt















Zugeneigt

Das Feuer stirbt
nach einer Zeit.

Es sei denn,
die Scheite
lehnen sich aneinander.
Noch einmal,
im rechten Moment.

Erneut züngelt
die wärmende Flamme.

*

The fire dies
after a certain time.

Unless
the burning logs
lean against each other
once more
at the right moment.

Again flares up
the warming flame.

.

10.2.09

Stille Glut




















Stille Glut

Wenn sich die Nacht ans Fenster lehnt
denk ich zurück an diesen einen,
der mir so nah war und vertraut:
Ich liebte ihn mit allen Sinnen.

Wie hab ich mich an ihm entflammt,
und lohte in wohl jeder Pore.
Das wärmte ihn und mich und uns.
Er war mein Holz und meine Kohle.

Schien aller Durst nach Licht gestillt,
wurd´ er zum Sturm an solchen Tagen,
der neu entzündete den Brand
mit seinem Atem voller Leben.

Vorbei. Was blieb ist meine Glut,
die nicht verlosch in kalter Asche.
Drum sehn ich mich nach starkem Wind,
ein Feuer wieder zu entfachen.

.

7.2.09

Mitten im Februar
















Mitten im Februar


Von müdem Schnee ein letzter Rest
zerfließt in winterbraunen Wiesen,
die, frostgewöhnt bisher, nun weit
die Poren öffnen für das Nass.
Noch reitet Kälte sattelfest
des Nachts und wird vom Mond gepriesen.
Am Mittag aber schlägt die Zeit
der jungen Sonne. Sie ist blass,

doch sendet erstes Lau ins Freie.
Es schmilzt das Eis. Die Erde bricht
entsiegelt auf für neue Saat.
Ein frischer Duft steigt himmelwärts,
ganz unverfälscht und klar, als weihe
das Leben er voll Zuversicht,
die mich erfasst. Der Frühling naht:
Ich wähne um mich schon den März.

.

3.2.09

Barcelona (4)


Barcelona

Farben und
Formen flüstern
unhörbar. Stet.
Ohne Worte.



Poesie in Stein
geschrieben.
Jeder Buchstabe
lebt. Und alles hat

NICHT seine Zeit.



2.2.09

Barcelona (3)


Näher am Himmel


fühlst du dich.
Oben. Auf der Sagrada.
Dennoch geerdet.
Dort, in der Stadt,



wo die Liebe wohnt
und der Glaube
an windumwehte Träume.
Die Hoffnung blüht

buntglasfarben.




29.1.09

Barcelona (2)


Magenta

Über der Stadt
die Hügel.
Magentafarben
im frühen Abendlicht.



Steigen und Fallen
in der Ferne, so nah.
Und mein Herz
durchreist mit ihnen

alle Höhen und Tiefen.




Serra de Collserola ist eine Hügelkette im Nordosten Barcelonas, mit dem Tibidabo (512m) als höchster Erhebung.

26.1.09

Barcelona (1)


Leichtfüßig

tanzt der Wind
die Sardana.
Wie Katalanen
mit Cava im Blut.



Er weitet
die Himmel
über den Smalten
der Stadt und den Blick

auf ihr Blau.



Smalten sind DAS klassische Mosaikmaterial, vor allem Glas und Keramik.
Sardana ist DER katalanische Volkstanz und Cava ist DER katalonische Schaumwein

15.1.09

Erkenntnis unterwegs




















Erkenntnis unterwegs

(mit einem Augenzwinkern zu lesen)

Längst bin ich müd vom Reisen,
der Fahrt jahrein jahraus.
So viel hab ich gesehen,
muss endlich eingestehen:
Ich sehne mich nach Haus.

Es gab auch viel zu hören,
stets einen neuen Duft
in diesen fremden Welten,
wo andre Sitten gelten:
Mir fehlt der Heimat Luft.

Und werd ich sie erst atmen,
an dem vertrauten Ort,
wird dies mir Ruhe geben.
Doch schläft es ein, das Leben,
dann muss ich wieder fort.

.

Mein Rot



















Mein Rot

war der Mohn,
bisher. Und mein Herz.
Das schlägt links
und liebt.

Meine Ohrringe,
der Seidenschal.
Dazu der Lack
von den Schuhen

waren mein Rot.
Und die Wangen im Frost.
Oder die Rose,
eine Langstielige.

Und jetzt? Mutter Erde.
Dort im Osten.
Blut-Rot. Mein Rot.
Welche Farbe hat Vergeben?


"Eure Verbrechen sind rot wie Blut, und doch könnten sie weiß werden wie Schnee. Sie sind rot wie Purpur, und doch könnten sie weiß werden wie reine Wolle."
Jesaja 1,18


Fotos: Internet und Mohn am Meer


11.1.09

Möglicherweise














Möglicherweise
(für J.)

können manche Dinge
nicht mit Worten
eingefangen werden.

Wie die Sterne
über einer Wüste

mitten im Januar.
Wenn sie aufleuchten,
steigen, verblassen.
Oder der Mond,
ruht
er über den Kakteen,
gesetzt von
einem unsichtbaren
Choreographen.

Nur der Puls tanzt
gegen das Herz.
Sprachlos.

photographer: Frank Zullo, Arizona who got the English version via mail

7.1.09

Januarnacht
















Januarnacht


Fast hatte ich sie vergessen,
diese Schwärze
mit frostgemeißelten Sternen
unter Brandenburgischen Himmeln,
dort, wohin kein Stadtlicht dringt.

Da stand ich,
gelehnt an die Dunkelheit,
starrte hinauf zu den Bildern
welche die Alten einst
mit Mythen bedachten,
in dieses Durcheinander
von Helden, Jungfrauen,
allerlei Getier und Gefährt.

Und mitten über dem Feld
öffnete Orion seinen Gürtel,
unerreichbar und ungerührt
vom Kreuz oder Quer oder Frost
oder
ob meiner Erinnerung.


20.12.08

Zwischen Regen und Schnee














Zwischen Regen und Schnee

Der Abend
nebelt sich ein.

Sternenloses Dickicht.
Nur Stille lichtet
über windgeducktem Gras.
Aus dem Grau tropft
Langsamkeit in die Welt

und in mich.

28.10.08

Along the shore















Along the shore

Walking around the lake
under bundled clouds
on a late October day
I was ambushed
by dead silence.

Used to feel
the restless pulse of time
I had utterly forgotten
the sound of quietness

when only wind
touches my hair
and golden maple leafs
sail down without haste.

No words.

Gazing onto the waves
I sat down
on an old wooden bench
just for a moment

believing devoutly
in old tales of long-sunken dreams
which would surface from deep
if you believed in it.

And all my thoughts
opened wide wings
to fly away
like huge white swans
arising thereby new hopes.
.

6.7.08

Und alles Wort versinkt
















Und alles Wort versinkt

Die Himmel lohen. Abendzeit.
Des Tages Ende nähert sich.
Sein Licht glüht julisommerlich;
zerfließt, dem Augenblick geweiht,
mit einem weichen Bogenstrich.

Der Lärm versamtet schon im Rohr,
es steigt der Atem dieser Nacht,
sanft wächst das Mondenrund empor;
von hellem Leuchten überdacht,
bricht schattenhaft der Wald hervor.

Und alles Wort versinkt im See,
von großer Stille übermannt.
Dein Blick so hilflos. Ich versteh:
Es geht zudem, was uns verband.
Mich fröstelt im noch warmen Sand.


24.5.08

Lichtschmelze
















Lichtschmelze


Den Tag haucht
samtener Wind
in roten Mohn

und Ton in Ton

versinken sie ineinander,
erspüren die Nacht selbander.

Am Abend schon

flammt ein Äon,
das glühend
den Maimond minnt.

.

28.4.08

Fast Mai
















Fast Mai


Dieser weiche Wind.
Aufwärts und blaulichts
trägt er unermüdlich
Lerchenlieder.

Mit dem Wolkenzug
weitet ihr Echo,
schwelgt der Klang betört in
weißen Blüten.

Sanftes Zwiegespräch.
Manchmal ein Schweigen.
Wenn es weicht, raunt zärtlich
neues Singen.


23.1.08

Bleiern
















Bleiern

Januar. Noch ein Regenmorgen.
Wie gestern in der Frühe. Bleich.
Kein helles Licht. Feuchtkalte Winde.
Der Winter fahl. Und blind zugleich.

Wassermeer. Uferlose Schwemme.
Der mir vertraute Liebste weit.
Ein müder Tag. Mit stillen Tränen.
Das Grau scheint bleiern. Wie die Zeit.



3.1.08

Anbruch
















Anbruch

(für M. und A.)

Behutsam
schneien sich
Träume in Tage.
Eistränen
schmelzen
unter Wimpern.

Wir reiben
die Gesichter
mit Lachen ein.

Sein Echo
beizt Glühen
auf die Wangen
und das Jahr
nimmt uns
warm bei der Hand.


7.12.07

Eingewintert















Eingewintert


Die Sommertexte habe ich
heut endlich eingewintert
und die vom Frühling auch.

Hab die vom Herbst dazu gelegt,
frisch abgeerntet,
zärtlich bis dahin gehegt.

Im Stillen aber hoffe ich,
dass sie gelesen werden
von dem, der irgendwo

entfernt von mir nach ihnen schaut-
Wortzwischenräume
seinen Blicken anvertraut.


14.12.06

Innehalten


Innehalten

Wenn

sich das alte Jahr
erschöpft und fröstelnd
ein warmes Tuch
um seine Schultern legt,
in ihm sich Neues
nicht nur in Gedanken
hoffnungsvoll ganz leise regt

Dann

gönne dir die Zeit
zum Innehalten-
setz dich zu ihm
für einen Augenblick,
nimm seine Hände
um darin zu lesen
und blättere dabei zurück.

Vielleicht

wird Manches
beim Betrachten
sich jetzt als wertvoll
staunend offenbaren,
so atme tief dies
in dich ein, es als
Erinnerung dir zu bewahren.